coalmine literarische

programm

12.03.2012 / 20 Uhr
> Zsusa Bánk 
Die hellen Tage

Im Figurenkarussell magischer Dreiecksbeziehungen birgt der hochfein gewobene Text philosophische Fragen: Was ist dem Menschen zumutbar, und wie bestimmt die Kindheit unsere Lebenswege? Das Mädchen Seri erlebt helle Tage im Garten ihrer Freundin Aja, die mit ihrer Mutter in einer Baracke am Rand der Provinzstadt wohnt. Ihre scheinbar heile Welt in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts hat filigrane Risse und Sehnsuchtsflecken: Seris Vater starb, und Ajas Trapezkünstlervater kommt nur einmal im Jahr zu Besuch. Karl, der gemeinsame Freund der Mädchen, hat seinen jüngeren Bruder verloren, als dieser an einem Frühlingstag in ein fremdes Auto stieg und verschwand. Es sind die Mütter, die durch die Strömungen und Untiefen dieser Kindheiten lotsen. Sie verhelfen zur Überwindung der Verlustangst und Hinwendung in die Lebensmitte. Als Seri, Karl und Aja als Studenten nach Rom gehen, wird die Stadt zum Wendepunkt ihrer Biographien – und zur Zerreißprobe für eine Freundschaft zwischen Liebe und Verrat, Schuld und Vergebung.  > mehr...  

16.04.2012 / 20 Uhr
> Arnold Stadler 
New York machen wir das nächste Mal

New York machen wir das nächste Mal ist ein unordentliches Buch, einer ausgeleerten Schublade nicht unähnlich. In vielen Schnipseln erkennt der faszinierte Leser da Vorarbeiten zu Stadlers Romanen, in anderen Mikroerzählungen, perfekte Kleinode im Stil von Hebels Kalendergeschichten. Ein ganzes Leben schnurrt hier auf die paar Momente zusammen, in denen sich Hoffnung und Vergeblichkeit ineinander verknäueln.  > mehr...  

07.05.2012 / 20 Uhr
> Peter Kurzeck 
Vorabend

. In Kurzecks jüngstem Roman Vorabend heissen sie Staufenberg und Lollar in Oberhessen. Dort kehren die Männer abends müd heim von der Schicht im Hüttenwerk, während die Igel unterwegs zum Waldrand auf immer mehr Hindernisse stossen: neue Schwimmbäder, Einfamilienhäuser, Supermärkte, Autobahnzubringer. Kurzecks mitreissende Erzählströme kennen keine Hierarchien. Der Alltag der Tiere erhält ebenso seinen Raum wie jener der Menschen, aufgefächert in tausend Geschichten, die ein Bild von Deutschland in den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg geben, wie es authentischer kaum vorstellbar ist.  > mehr...  

21.05.2012 / 20 Uhr
> David Wagner 
Vier Äpfel

Der Autor David Wagner beschreibt in seinem Roman eine kleine, grosse Welt: Ein Mann geht durch einen Supermarkt und reflektiert über sein Leben en gros und en détail. Gleichermassen skurril wie nachvollziehbar schiebt er seine Gedanken vor sich her, im Einkaufswagen. Die Umstände des Erzählers erhellen sich zwischen taktisch platzierten Konsumgütern in seinen Gedanken zu diesen. Im hyperrealen Neonlicht findet sich der Schwermut und die Leichtfüssigkeit und gehen nebeneinander durch die Gänge. Die Gedanken kreisen um die Frau, die ihn nach kurzer Ehe verlassen hat – und finden durch David Wagner Niederschlag in 144 prosaischen Miniaturen.  > mehr...  

04.06.2012 / 20 Uhr
> Michèle Minelli 
Die Ruhelosen

Nur dank eines Zufalls stößt die Zürcher Ornithologin Aude auf jene Spur ihrer Familiengeschichte, die bis in die k. und k. Zeit führt. Die Legenden über eigensinnige Frauen und Töchter ihrer Vorfahren bekommen plötzlich Form und Gesicht. Während man in ihrer Familie der eigenen Herkunft stets den Rücken gekehrt hat, wendet sich Aude nun genau dieser Vergangenheit zu. Vor ihr breitet sich ein verführerisches Geflecht aus vier Familien über acht Generationen und 150 Jahre aus.   > mehr...