coalmine fotogalerie

19.01.2010 bis 31.03.2010 / 18.30 Uhr
am 19. Januar 2010, um 18.30 Uhr
Fabio Marco Pirovino
20th Century Fox, in Memory of Thomas Knoll und Leitmotif

Ausstellung im Raum für zeitgenössische Fotografie: 20. Januar bis 31. März 2010

Im Raum für zeitgenössische Fotografie zeigt der junge Basler Künstler Fabio Marco Pirovino (*1980 in Winterthur, lebt und arbeitet in Zürich) ältere und speziell für die Ausstellung der CoalMine entwickelte Arbeiten. Pirovino hat sein Studium der Fotografie an der ZHdK (Zürcher Hochschule der Künste) 2007 beendet.

In seiner Diplomausstellung hat Pirovino erstmalig einem grösseren Publikum in den Räumlichkeiten der Tonimolkerei seine Arbeiten vorgestellt. Seither nahm er drei Mal an der „Regionalen" in Basel teil und war mit Einzelausstellungen bei Marks Blond Project Space in Bern oder vor kurzem in der Galerie Abbt Projects im Zürcher Kreis 5 vertreten.

Zum ersten Mal fielen seine fotografischen Arbeiten und die Inszenierung ebendieser an seiner Diplomausstellung auf, ein zweites Mal begegnete man seinen minimalen Fotografien bei der Plat(t)form 07, einer so genannten Portfolio-Schau des Fotomuseums Winterthur. Pirovino gehört zu einer jungen Generation, die das Handwerk der Fotografie erlernt hat, dieses auszuloten weiss und auch Grenzen zu überwinden sucht, sich aber durchaus nicht als Gruppe „gute Fotografen" behaupten wollen. Im Vordergrund des noch sehr jungen Schaffens Pirovinos steht die Auseinandersetzung mit Form und Farbe und weniger mit der ihn umgebenden alltäglichen Welt. Die Arbeit am Computer mittels Photoshop stellt das hier zu betonende Werkzeug der Werkentstehung dar. Dabei bedient er sich dieser Technik wie ein Maler sich des Pinsels und der Farbpalette bedient.

In seiner schriftlichen Diplomarbeit zum „Einfachen Kunstwerk" redet Pirovino vom Versuch, die Welt in einer zeitlosen aber auch zeitverbindlichen Form darzustellen. Diese formale Reduktion, welche beabsichtigt zu einer Form, zu einem Äusseren zu gelangen, um den hohen ästhetischen Ansprüchen zu genügen, ist auch im Werk Pirovinos von grosser Bedeutung. Dabei redet er von Ansprüchen wie Zeitlosigkeit, Mühelosigkeit, Neuheit, Brisanz, Notwendigkeit und Stil. Das einfache Kunstwerk ist das Ideal vielleicht eines jeden Künstlers, es ist das Anzustrebende, der Massstab, das Absolute. Gleichzeitig ist das Unerreichbare und das Scheitern an eben diesen hohen Massstäben dem Prozess der Findung des einfachen Kunstwerkes immanent. Pirovino untersucht in seinem Werk die Ganzheit von Form und Inhalt; das Körperliche und Geistige fallen zusammen. Komplettiert wird das Werk erst in den Augen des Betrachters. Reduktion ist ein wichtiger Bestandteil seiner Bildfindungen. Bilder aus der tatsächlichen Welt kombiniert er vor allem in den neuesten Arbeiten locker neben Bilder, denen eine abstraktere Formgebung und Verschiebung innewohnen. Er sucht nach Formen und Formprinzipien, aus denen sich wiederum neue Formen entwickeln und ableiten lassen, die fast eigentätig wuchern und mutieren. So formt er z.B. aus einer Rolle Knetmasse eine Figur, fotografiert sie, bearbeitet sie weiter im Photoshop, bis ein Bild entstanden ist, das zugleich virtuelle Skulptur und zeichnerisches Linienwerk ist. Pirovino spielt mit der zwittrigen Natur der Fotografie: wiewohl flach, suggerieren sie eine Raumillusion, sind gewissermassen eine Membrane zwischen Zwei- und Dreidimensionalität. Fotografien können ein Objekt skulpturhaft aus seiner Umgebung herauslösen und es zugleich in ein Oberflächenspiel von Linie und Farben verwandeln.

Bevor Pirovino zu fotografieren begann, zeichnete er. Die zeichnerische Graffiti-Logik von Spiel und Variation ist Grundlage seiner Arbeit, die er auch auf andere Medien anwendet. Die Medien gehen bei Pirovino ineinander über, mediale Reinheit interessiert ihn nicht. So zeigte er z.B. in der Einzelausstellung bei Abbts Projects Zeichnungen, die aus Computerdruck, Sprayfarbe und Aquarellfarbe bestehen und lässt ihre Farben und Texturen ineinander übergehen. Die Kombination vom Scheinraum der Fotografien und der Fläche der Zeichnungen stellt er in der Ausstellung der CoalMine nicht einander gegenüber.
Pirovino sind die formelhaften Pole seiner Arbeit sehr wichtig: das instinktive Spiel mit der Form und die Suche nach Bildern, die sich im Kopf des Betrachters festzusetzen vermögen. Dabei versucht er nicht plakative Inhalte zu vermitteln, sondern die Schönheit der Werke in ihrer Ganzheit zu entfalten. Und ebendieser Erschaffung des Schönen und Einfachen ist er mittels Fotokamera und Photoshop auf der Spur. Von daher rührt auch der Titel der Ausstellung mit einer Hommage an den Erfinder des Photoshop Thomas Knoll.

Für seinen Coalmine-Online Auftritt Leitmotif öffnet uns der Künstler sozusagen das Fenster und lässt uns sein Bilder-Archiv, welches als digitale Form existiert, in einer ausgewählten Form und Präsentation betreten. Hier finden sich die Ursprünge und Inspirationen vieler seiner formvollendeten Werke, denen wir ausschliesslich in den Ausstellungsräumen in perfekter Ausführung begegnen. www.coalmine-online.ch.

Abbildungen zu den ausgestellten Werken können direkt bei der Kuratorin angefragt werden, alexandra.blaettler@gmail.com.

Zusätzliche Informationen zum Werk von Fabio Marco Pirovino können unter www.pirovino.net gefunde&